Digitalisierung des Kanalnetzbetriebs in Ulm

Digitalisierung des Kanalnetzbetriebs in Ulm

Fachbericht

Automation Blue 2/2020

Fachbericht

Softwareplattform zur Digitalisierung des Kanalnetzbetriebs

Ganz gleich, wie hoch der Digitalisierungsgrad in der Wasserwirtschaft eingeschätzt wird, am Ende muss doch das Wasser physisch zum Verbraucher gebracht werden und von dort durch das Kanalnetz zur Kläranlage. Trotzdem kann digitale Technik hier einen echten Mehrwert bieten und das Kanalmanagement vereinfachen und effizienter machen. Die Entwässerungsbetriebe der Stadt Ulm (EBU) setzen bei der Digitalisierung ihres Kanalnetzes auf Lösungen von FlowChief.

Maximal flexibel und wirtschaftlich, gleichzeitig herstelleroffen und sicher: Prozesse sind in der Wasser- und Abwasserwirtschaft immer mehr vernetzt und die Anforderungen wachsen weiter. Das gilt auch für das Kanalnetz in Ulm. Als Eigenbetrieb der Stadt planen, bauen und betreiben die EBU zur Abwasserbeseitigung in ihrem 3.026 ha großen Einzugsgebiet ein Netz mit über 600 km Kanal und an die 100 Sonderbauwerken – darunter 16 Pumpwerke und 8 Messschächte sowie 48 Regenüberlaufbecken (RÜB), 24 Regenrückhaltebecken (RRB) und 10 Regenklärbecken (RKB) mit einem Gesamtspeichervolumen von 94.000 m 3 . Das Kanalnetz, bei dem es sich überwiegend um ein Mischwassersystem handelt, führt Schmutzwassermengen von bis zu 150.000 m 3 pro Tag der Zentralkläranlage Steinhäule zu. Nach der Reinigung wird das geklärte Abwasser der Donau zugeleitet.

Offen – sicher – einfach: Die Ansprüche an moderne Prozessleittechnik
Im Jahr 2014 standen die EBU vor der Herausforderung, das in die Jahre gekommene Prozessleitsystem zu erneuern und die gesamte Anlage fit für die Zukunft zu machen. Das alte System war zu störanfällig und kompliziert geworden, die Hardware vor Ort technisch insgesamt nicht mehr zeitgemäß. Die Anforderungen an das neue System wurden von Kanal- und Kläranlagenbetreibern gemeinsam erarbeitet und festgelegt. Das Ziel war ein herstelleroffenes System, das die Einbindung verschiedener Messtechnik und Steuerungslösungen ermöglicht und durch seinen technologischen Aufbau auch in Zukunft dem rasant steigenden Digitalisierungsanspruch standhält. Das System sollte möglichst alle Funktionen für zentrale Leittechnik in einer Software abbilden – von der Überwachung und Steuerung bis hin zur Berichterstellung und Betriebsführung der Anlagen.

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Georg Scholz und Markus Mezger bei der gemeinsamen Analyse eines Einstauereignisses

Fachartikel

Energiemanagement in Kläranlagen

wlb UMWELTTECHNIK 2/2018

Energiemanagement deckt versteckte Potentiale auf

Kläranlagen sind wahre Energiefresser. Mit einem softwaregestützten Energiemanagement kann der Betreiber Zeit und Geld sparen. Wir sprachen mit Christian Fink von der Flowchief GmbH über die Software e-Gem.

Herr Fink, der Energieverbrauch von Kläranlagen ist ein wesentlicher Kostenfaktor für die Betreiber. Wie können Sie die Effizienz ihrer Anlage beurteilen?

In der Tat sind Kläranlagen wahre Energiefresser. Mit 25 bis 50 Prozent fällt ein Großteil der gesamten Energiekosten auf die Abwasserreinigung zurück. Ein einfacher Energiecheck bringt einen ersten Eindruck der Effizienz der gesamten Anlage. Dazu bestimmt man zunächst den spezifischen Energieverbrauch, indem der Jahresenergieverbrauch auf die angefallene Schmutzwassermenge und den Einwohnerwert der Kläranlage bezogen wird. Stehen keine aussagekräftigen Messwerte zur Verfügung, kann die Rechnung des Versorgers herangezogen werden.Die DWA hat hierzu ein Arbeitsblatt (A-216) mit Kennwerten für unterschiedliche Anlagengrößen herausgegeben. Überschreitet der Energieverbrauch die deutschlandweiten Mittelwerte, lässt dies auf Einsparpotenziale in der Anlage schließen. Entsprechend kann eine Überprüfung der einzelnen Anlagenteile, wie Belüftung oder Pumpwerke, erfolgen. Den jährlichen Gesamt-Energieverbrauch der einzelnen Anlagenteile erhält man bestenfalls aus bereits vorhandener Software wie einem Scada-System oder einem Betriebstagebuch, ansonsten muss die Messung manuell erfolgen.

Welchen Vorteil bringt ein softwaregestütztes Energiemanagement?

Einfach gesagt sparen Sie mit der Flowchief-Energiemanagementsoftware Zeit und Geld, denn e-Gem nimmt Ihnen viele Aufgaben von der Energieerfassung bis zur Auswertung ab. Verbrauchsdaten werden automatisiert aus der bestehenden Messtechnik oder den Scada-Systemen ausgelesen. Haben Anlagenteile keine eigene Messdatenerfassung, lassen sich die Verbrauchsdaten entweder per Smartphone-App einpflegen oder es werden Messgeräte nachgerüstet. Parallel zu den Verbrauchsdaten erfasst e-Gem auch andere Messwerte wie Wetterdaten und Niveaustände oder Laborwerte wie Zu- und Ablauffrachten – lückenlos und transparent.Aus all diesen Daten erstellt die Software automatisch Energiekennzahlen wie zum Beispiel den spezifischen Gesamtstromverbrauch. Diese Messdaten und Kennzahlen lassen sich anhand von integrierten Funktionen wie Dashboards, Kurven oder Berichten fortlaufend analysieren. Die gewonnene Datenbasis ist eine wertvolle Grundlage zur Ableitung von Energieeinsparmaß nahmen und zur Überprüfung ihrer Wirksamkeit. Zudem erhalten Sie Ihre Verbrauchsdaten und Kennzahlen quasi in Echtzeit. Bei der manuellen Analyse können Sie Kennwerte im besten Fall über Monate erstellen. E-Gem ermöglicht Ihnen die Analyse aller Daten auch auf Minuten-, Stunden- oder Tagesebene.

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Fachartikel

Energiemanagement bei SCHOTT

Auszug aus der „IT & Production„:

Ressourcenschonende Glas- und Keramikproduktion

Alle Energieverbräuche in einem System

Liegen detailllierte Energiedaten erst einmal vor, bieten sie eine hervorragende Grundlage für Einsparungen bei Verbrauch und Kosten. Um diese Daten zu erheben und zu verarbeiten, bildet der Hersteller von Glas und Glaskeramik Schott sein Energiemanagement in der Software e-Gem der Flowchief GmbH ab. Die Lösung erfasst die Energiedaten aller Anlagen standortübergreifend, veredelt sie zu Informationen und stellt sie verschiedenen Benutzergruppen im Unternehmen bedarfsgerecht zur Verfügung.

Der Technologiekonzern Schott setzt seit vielen Jahren auf Energiemanagement und erfasst die relevanten Prozesse und Verbrauchsdaten für die zentrale Aufgabe, Einsparmöglichkeiten zu ermitteln und umzusetzen. Die dafür eingesetzte Applikation war jedoch in die Jahre gekommen und wurde vom Hersteller nicht mehr weiterentwickelt. „Technik und Funktionalität entsprachen nicht mehr den Erwartungen“, schildert Lothar Kretschmer, Leiter Energiewirtschaft/Energiemanagement der Schott AG. Sein Team ist verantwortlich für ein breit gefächertes Arbeitsgebiet von der Energieversorgung des Hauptwerkes in Mainz über deutschlandweite Energiekosten-Analysen, Energie-Checks und -Audits bis hin zum Betrieb des Energiemanagementsystems nach DIN EN ISO50001 an allen Standorten. „So musste beispielsweise die Anwendung bisher mit enormem Zeit- und Arbeitsaufwand auf den Clients an den jeweiligen Produktionsstandorten installiert werden. Zudem erlaubte sie nur wenigen Mitarbeitern den Zugriff auf die Daten. Diese waren deshalb immer häufiger damit beschäftigt, Daten für Dritte aufzubereiten, statt sich um die eigentliche Kernaufgabe Energieeinsparungen zu kümmern.“

Webtechnologie und Mandantenfähigkeit

Die neue Lösung sollte ein Standardprodukt werden, das tief am Markt verankert ist. „Anpassbarkeit an neue Gesetzeslagen oder Inkompatibilitäten im stetigen Wandel der IT-Infrastruktur durften kein Problem darstellen“, sagt Kretschmer. Im Rahmen eines Maintenance-Vertrags soll das neue System kontinuierlich aktualisiert werden und so immer auf dem Stand der Technik sein. Der Software-Partner sollte flexibel genug sein, auch spezielle Funktionen implementieren zu können. Da die Entscheidung für einen Anbieter über viele Jahre hinweg bindet, wurde auch auf eine nachhaltige und zukunftssichere Ausrichtung des IT-Unternehmens Wert gelegt. Die neue Anwendung sollte zudem über eine Server-Client-Struktur verfügen: „Native Webtechnologie sollte sicherstellen, dass die Mitarbeiter von jedem beliebigen Rechner auf ihre Daten zugreifen können.“ Weiterhin erfordern die Abläufe der Datenauswertung Mandantenfähigkeit mit einer Benutzerverwaltung. Diese muss die beliebige Definition von Richtlinien sowie die Vergabe von Zugriffsrechten für Mitarbeiter gruppenspezifisch und individuell erlauben.

Komponenten für Erfassung und Analyse

Die Wahl fiel schließlich auf die Anwendung der Flowchief GmbH, einen Anbieter von Standardsoftware für Prozessleittechnik, Energiedatenmanagement und Datenerfassung. Deren Lösung für das Energiedatenmanagement e-Gem besteht aus Komponenten zur Erfassung von Daten und für deren Analyse. Sie ordnet Energiearten unterschiedlichen Kostenstellen zu und analysiert und überwacht die Energiewerte. Im Sinn von Big Data verwaltet die Anwendung auch Datenmengen im Terabyte-Bereich und bereitet diese auf. Die Weblösung erfüllte die Anforderungen hinsichtlich der Mandantenfähigkeit. Zähler- und Messdaten werden bei Schott standortübergreifend in teils unterschiedlichen Geräten erfasst. Über industrielle Standardschnittstellen fungiert das Energiedatenmanagementsystem als zentraler Datensammler. „Unsere Messinfrastruktur ist über viele Jahre gewachsen und durchaus heterogen, aber sehr funktional“, sagt Kretschmer. „Ein Austausch von Komponenten war nicht vorgesehen.“ Ein Grund für die Anschaffung der Lösung war deren Redundanzfähigkeit. Die Anwendung läuft auf zwei Servern parallel, damit der Betrieb selbst beim Ausfall eines Rechners gesichert ist. Support bietet der Softwareanbieter rund um die Uhr, um bei Störungen zeitnah helfen zu können. Auf diese Weise soll verhindert werden, dass möglicherweise Daten verloren gehen, weil die Zeitspanne für ihre Zwischenspeicherung überschritten wird.

Verbrauchsdaten je nach Unternehmensstruktur

Das EMS bildet die Organisationsstruktur von Schott mit seinen Firmen, Business Units, Business Lines und Kostenstellen detailliert ab. Die Synchronisation zwischen den Unternehmensstammdaten und dem System erfolgt automatisch. Die Kostenstellenstruktur wiederum, die dem Messstellen- und Zählerkonzept zugrunde liegt, bildet einzelne Fertigungsschritte ab. Energieverbrauch und Energiekosten lassen sich den jeweiligen Anlagen oder Aggregaten zuordnen. Neben der aktuellen Organisations- und Messstruktur wird zudem die gesamte Historie abgebildet. Will der Energiemanager beispielsweise die Verbrauchsdaten einer nicht mehr existierenden Kostenstelle auswerten, kann er über eine Timeline darauf zugreifen. Schott ist bereits nach ISO50001 zertifiziert – die Lösung bildet die Datenbasis für künftige Audits.

Kick-off im Parallelbetrieb

Die Implementierung der Lösung begann im Hauptwerk in Mainz in einem Pilotprojekt. Für die standortübergreifende Erfassung der Verbrauchsdaten mit U160X-Summenstationen von Gossen Metrawatt entwickelte Flowchief einen passenden Treiber. Mit ihm werden neben Onlineverbrauchsdaten auch Archivwerte, Systemdaten und Buskenndaten zur Überwachung der Infrastruktur erfasst. Die vollständige Messinfrastruktur wurde parallel zum Bestandssystem auf das EMS gekoppelt. „Der Parallelbetrieb war die ideale Grundlage, um e-Gem zu testen sowie Anwender und IT-Administratoren auf der neuen Anwendung zu schulen“, sagt Christian Fink, leitender Produktmanager bei Flowchief. Sobald sich herausgestellt hatte, dass die Lösung zuverlässig arbeitet, wurde die Bestandslösung Zug um Zug durch die neue ersetzt. Nach der erfolgreichen Migration in Mainz wurden sukzessive weitere Werke und Standorte über das Schott-WAN an das System angebunden.

Datenanalyse weiterhin auch mit Excel

Arbeitsgebiete wie Energieplanung, Spitzenlastoptimierung, Abrechnung und technische Dienste greifen laufend auf die Daten der EMS-Anwendung zurück und nutzen sie für ihre Aufgaben. Dabei konnten bestehende Analysetools durch ein an die Anforderungen von Schott angepasstes Excel-Plug-In beibehalten werden.

Zur Verbesserung motivieren

Inzwischen arbeiten deutschlandweit etwa 50 Mitarbeiter von Schott mit dem Werkzeug und greifen über einen Standard-Browser darauf zu. Die IT-Administration im Konzern kann die Lösung selbst verwalten und jedem Mitarbeiter, der mit deren Daten arbeiten muss, einen Zugang einrichten. Da auch sensible Daten vorgehalten werden, mussten früher viele Anwender vom Zugang ausgeschlossen werden. Heute lassen sich die Rechte so festlegen, dass jeder Nutzer auf die Daten zugreifen kann, die er für seine Aufgabe benötigt. Der geräteunabhängige Zugriff, der auch für mobile Geräte genutzt werden kann, eröffnet darüber hinaus neue Möglichkeiten. „Für die Mitarbeiter, die bisher keinen Echtzeit-Zugriff hatten, ist die durch e-Gem geschaffene Transparenz beim Energieverbrauch die denkbar beste Motivation, um Verbesserungspotenzial in ihrem Anlagenteil aufzuspüren“, sagt Kretschmer.

Versorgerdaten erfassen

Eine Lösung für Energiedatenmanagement ist kein fertiges Produkt, sie muss fortlaufend an neue Anforderungen angepasst werden. Seit dem Projektstart im Jahr 2013 sind zahlreiche neue Komponenten hinzugekommen. Das aktuelle Vorhaben ermöglicht das Einlesen der Lastgänge, die vom Energieversorgungsunternehmen per E-Mail übermittelt werden. Auch hierfür entwickelte der EMS-Hersteller einen Treiber, der die erforderlichen Informationen aus alphanumerischen Daten im branchenüblichen MSCONS-Format exportiert und sie im System abbildet. Die Auswertung ermöglicht den Abgleich der intern erfassten Daten mit den vom Versorger in Rechnung gestellten Verbrauchsdaten. Künftig soll eine integrierte Reporting-Funktion Berichte für Dritte automatisiert erstellen und via E-Mail versenden und so die Energie-Teams weiter entlasten.

Energiemanagement bei der Schott AG

  • Erfassung von 5.000 Zählpunkten
  • Hot Standby-Redundanzlösung im eigenen Rechenzentrum
  • Automatisierte Synchronisierung mit Unternehmensstammdaten
  • Heterogene Feldstrukturen – Anbindung von GMC, Janitza, M-Bus; verschiedene SPSen, Modbus, Leitsysteme
  • Treiberentwicklung für Gossen Metrawatt U160X einschließlich Archivdatenhandling und Busüberwachung
  • Automatische Verbrauchsstellensynchronisierung auf Basis der dynamischen U1600-Konfigurationen
  • Mandantenfähige Struktur und konzernweiter Zugriff per Web von über 50 Mitarbeitern
  • Archivdaten bis zu zehn Jahre online verfügbar
  • Zertifiziert nach ISO50001

Bericht in der IT&Produktion als PDF

Transparenz in der Wasserwirtschaft

Transparenz in der Wasserwirtschaft

Fernwirktechnik für mehr Transparenz

Mehr Kontrolle für Wasser und Abwasser

Mit geeigneter Fernwirk- und Automatisierungstechnik lassen sich dezentrale Systeme wie Brunnen, Wasserspeicher, Abwasserkanäle, Pumpstationen und Kläranlagen in zentralen Leitstellen überwachen und steuern. Per Funk oder Internet lässt sich solche Technik auch nachträglich installieren.

Online-Berichterstattung in der Fachzeitschrift PROCESS zum Projekt Abwasserzweckverband (AZV) Jagst-Kessach, Kläranlage Widdern.

Auszug aus der „PROCESS“:

Fernwirk- und Automatisierungstechnik

Fernwirk- und Automatisierungstechnik schafft Transparenz

Mit geeigneter Fernwirk- und Automatisierungstechnik lassen sich dezentrale Systeme wie Brunnen, Wasserspeicher, Abwasserkanäle, Pumpstationen und Kläranlagen in zentralen Leitstellen überwachen und steuern. Per Funk oder Internet lässt sich solche Technik auch nachträglich installieren.

Spukhafte Fernwirkung nannte Albert Einstein den Effekt, bei dem zwei Lichtteilchen quantenmechanisch miteinander verschränkt sind. Von dieser Art Fernwirkung ist hier nicht die Rede, hier geht es um den bidirektionalen Datenaustausch – vom Marketing gern als Kommunikation bezeichnet – zwischen technischen Systemen der Wasserwirtschaft.

Warum das Fernwirken hier hilfreich ist, liegt nahe: Kleine und mittlere Wasserwerke und Klärwerke arbeiten häufig ohne Personal vor Ort. Bei Störungen und Abweichungen von Grenzwerten erhält der Betreiber z.B. per SMS einen Hinweis – dann muss ein Techniker schleunigst vor Ort nach dem Rechten schauen. Schneller und effizienter ist der Einsatz von Fernwirktechnik, um die dezentrale Anlage von einem zentralen Leitstand aus zu lenken: Volumenströme, Füllstände, Betriebszustände (auch per Kamera) und Störmeldungen können erfasst, analysiert und gegebenenfalls korrigiert werden. Das spart Personal und ermöglicht eine raschere Störungsbeseitigung.

Außenstationen bidirektional verbinden

Der Abwasserzweckverband (AZV) Jagst-Kessach setzt zur Überwachung und Steuerung in der Kläranlage Widdern auf das Prozessleitsystem von Flowchief. Die Bedienung erfolgt über einen Standard-Webbrowser ohne Zusatzsoftware. Per Internet können alle Gemeinden mit individueller Benutzer- und Zugriffsberechtigung in vollem Funktionsumfang auf das zentrale Prozessleitsystem beim AZV zugreifen. Dabei ist der Informations- und Bedienungskomfort identisch mit einem Mitarbeiter, der direkt in der Zentrale arbeitet. Es handelt sich um ein Außennetzwerk von über 50 Außenstationen wie Pumpwerke, Regenüberlaufbecken und Strömungsbeschleuniger, die in Standleitungsqualität per GPRS oder Satelliten-DSL mit der Zentrale verbunden sind. Bei einem Verbindungsausfall werden die Daten zwischengepuffert und bei erneut aktivierter Verbindung automatisch mit Zeitstempel in die Datenbank übertragen. Das heißt: Im Reporting sind die Informationen auch da, wo sie sein sollen.

Ein weiterer Praxisfall: Die Stadt Lügde betreibt zwei Kläranlagen und versorgt die mehr als 10.000 Einwohner im Stadtkern und neun angegliederten Ortschaften mit Wasser. Das Frischwasser wird aus zwei Quellen und zehn Brunnen gewonnen. Von dort aus gelangt das Wasser durch das 124 km lange Rohrnetz in die Haushalte.

Die relevanten Messdaten wurden in der Vergangenheit über Messschreiber auf Papierbahnen oder über Bildschirmschreiber aufgezeichnet. Die Protokollierung war kompliziert und zeitaufwändig. Daher haben sich die Verantwortlichen des Wasserwerks Lügde zur Investition in ein neues Fernwirksystem von Phoenix Contact entschieden. In der Südfelder Zentrale laufen seit der Umstellung alle prozessrelevanten Informationen auf dem Leitsystemrechner zusammen.

Die digitalen Ein- und Ausgänge der Steuerungen aus dem Inline-Installationssystem sind flexibel erweiterbar und somit passend für jedes Bauwerk. Das Visualisierungssystem verfügt über eine integrierte Webserver-Anzeige. So können zu jeder Zeit von jedem beliebigen Ort die Stationen überwacht werden. Mit Ipatec stand Phoenix ein Systemintegrator zur Seite, der die Gesamtlösung betreute.

Fernüberwachung des Wassernetzes von Bukarest

Dass moderne Fernwirktechnik auch sehr große Netze zu beherrschen vermag, zeigt das Beispiel APA Nova Bucaresti (eine Tochter von Veolia Water): Das Unternehmen verwaltet Produktion, Aufbereitung und Verteilung von Trinkwasser sowie die Abwasserentsorgung von Bukarest. Die Wasserversorgung beruht hauptsächlich auf der Wasserentnahme mittels Pumpen aus zwei Flüssen, die rund 20 km von Bukarest entfernt liegen. Aufbereitet wird das Wasser in drei Werken, das Wassernetz umfasst 188 km Überlandleitungen für Trinkwasser und 54 km Kanalleitungen für Rohwasser (beide mit Freispiegelgefälle), 620 ausgeschachtete Brunnen, 20 Behälter (mit einer Gesamtkapazität von 360.000 m3), sieben Druckerhöhungsanlagen (mit 52 Pumpensätzen) und 2800 km Trinkwasserverteilernetz unter Druck.

Angesichts der Ausmaße des Wassernetzes und der Anzahl hydraulischer Bauwerke ist die 2003 realisierte Fernwirktechnik eine Grundvoraussetzung für die Sicherheit und Optimierung der Wasserversorgung. 2006 beschloss APA Nova, zur Durchflussanalyse im Verteilernetz und zur Reduzierung von Lecks außerdem ein Zonenmesssystem einzuführen. Durch die Erweiterung des Fernwirksystems um Niederschlagsmessstationen und Abwassersammelbehälter wurde die Möglichkeit geschaffen, den Betrieb des Abwassernetzes zu überwachen und zu analysieren.

Die erste Phase des Fernwirkprojekts umfasste die Wasserentnahmestellen, die Aufbereitungsanlagen und die Druckerhöhungsanlagen der ersten Stufe. Die zweite Phase umfasste die Druckerhöhungsstationen (Hydrofores), die für die Wasserverteilung in den einzelnen Stadtvierteln zuständig sind. Über 120 Standorte werden über Fernwirkstationen von Lacroix Sofrel überwacht, von denen ein Teil mit SPS-Geräten kommuniziert. Die Datenfernübertragung erfolgt derzeit über Funk- oder GSM-Verbindungen und wird mittelfristig auf GPRS-Verbindungen umgestellt. Die Daten werden zur Auswertung und Darstellung in Form von Tabellen, Kurven und Übersichtsgrafiken von Leitständen übernommen und archiviert.

Pneumatik in der Wasser- und Abwassertechnik

Pneumatische Automatisierungstechnik reduziert die Investitions-, Installations- und Betriebskosten im Vergleich zu elektrischen Installationen teils um mehr als 50 %, rechnet Festo vor. Über ihre gesamte Lebensdauer hinweg bleiben pneumatische Antriebe wartungsfrei. Weiterer Vorteil: Die Druckluft steht auch bei Ausfall der elektrischen Energie zur Verfügung, da für die Erzeugung und Aufbereitung neben einem Kompressor immer auch ein Druckluftspeicher vorhanden ist.

Einsatz in Griechenland: Psyttalia Wastewater Treatment Plant heißt das ehrgeizige Projekt auf der gleichnamigen Insel Psyttalia in der Bucht vor Athen und der Hafenstadt Piräus. Die Abwässer werden über eine 1,5 km lange Pipeline vom Festland zur Kläranlage auf der Felsinsel Psyttalia gepumpt. Die technischen Daten muten gigantisch an: Die biologische Klärstufe umfasst u.a. zwölf Faulbehälter mit einem Gesamtvolumen von nahezu 300.000 m³ und einer Durchflussrate von 1.000.000 m³ pro Tag.

Für die Zuflusssteuerung sorgen Plattenschieber mit pneumatischen Linearantrieben vom Typ DLP. Sie wirken direkt auf die Schieberplatte und arbeiten damit gegenüber anderen Antriebsarten wartungsfrei. Bei der Durchflusssteuerung für das im Faulturm entstehende Biogas kommen Schwenkantriebe zum Einsatz. Diese regeln zudem die Verteilung von Heißwasser für die Wärmetauscher, die eine Temperatur von 36 °C im Faulbehälter konstant halten.

Nachträgliche Ertüchtigung möglich

Über eine standardisierte, genormte Datenübertragung lassen sich selbst Wasserversorgungsnetze und Abwasseranlagen, die bereits seit Jahrzehnten im Einsatz sind, auf einfache Weise modernisieren und erweitern, verspricht Siemens. Grundsätzlich bilden zentrale Leitstellen wichtige Knotenpunkte in einem funktionierenden Versorgungssystem. Die Anbindung daran wird durch entsprechende technische Lösungen unterstützt, wie z.B. durch das Fernwirksystem Siplus RIC (Remote Interface Control). Diese Produktfamilie ermöglicht ein skalierbares Fernwirken und Automatisieren auf Basis des Automatisierungssystems Simatic S7. Während die kleinste Einheit aus Hard- und Software (Bundle) bis zu 200 Informationspunkte verarbeitet, kann die höchste Ausbaustufe – bestehend aus einer Steuerung Simatic S7-400H und der Siplus RIC Library – bis zu 5000 Informationspunkte handhaben.

Siemens-Technik kam auch beim Austausch der Visualiserungs- und Automatisierungstechnik der Kläranlage Oederan durch die WKS Group zum Einsatz.

Fazit: Dezentrale Versorgungs- und Entsorgungstechnik profitiert von zentraler Informationsverarbeitung. Deshalb investiert die Wasserwirtschaft weltweit in Fernwirk- und Automatisierungstechnik, erhöht damit Zuverlässigkeit und Verfügbarkeit ihrer Anlagen und spart Energie und Personalkosten.

Modulare Lösung

für das Monitoring von Ortsnetz-Stationen

Ortsnetz-Stationen sicher im Blick

Netzdaten zuverlässig überwachen

Störmelde- und Fernwirksysteme sorgen dafür, dass wichtige Prozessinformationen zuverlässig erfasst und an die richtigen Stellen übertragen werden. Eine Herausforderung stellt hierbei die Kontrolle der Qualitäts- und Lastparameter von Verteilernetzen dar.

Die Firmen EES, Kries-Energietechnik und Janitza haben in Zusammenarbeit mit FlowChief eine Komplettlösung entwickelt, die bereits alle erforderlichen Komponenten verdrahtet und anschlussfertig in einem Gehäuse bietet und somit kosteneffizientes Monitoring von Ortsnetz-Stationen ermöglicht.

Die Daten werden entweder zum bestehenden Leitsystem oder alternativ zum gehosteten FlowChief-Prozessleitsystem, das auf Mietbasis genutzt werden kann, geleitet. Überwachung und Steuerung per Fernzugriff sind von Smartphone oder Tablet uneingeschränkt möglich.

Weitere Details lesen Sie hier in der Berichterstattung aus der „Industrielle Automation 3/2013“:

Intelligent gelöst

Modulare Konzeptlösung für das Monitoring von Ortsnetz-Stationen – komplett verdrahtet, getestet und parametriert

Sascha Hahn:
Störmelde- und Fernwirksysteme sorgen dafür, dass wichtige Prozessinformationen zuverlässig erfasst und an die richtigen Stellen übertragen werden. Eine Herausforderung stellt hierbei die Kontrolle der Qualitäts- und Lastparameter von Verteilernetzen dar. Wir zeigen Ihnen eine Komplettlösung, die bereits Gehäuse, Router, Messgeräte, Fernwirkstationen beinhaltet und somit die komfortable Diagnose der Ortsnetzstation ermöglicht.

Ortsnetzstationen erfüllen bei der Energieverteilung innerhalb des Verteilnetzes eine zentrale Funktion. Durch die geänderten Rahmenbedingungen die durch die EEG-Einspeiser resultieren, ist es erforderlich, dass Ortsnetzstationen immer häufiger die Aufgabe intelligenter Knotenpunkte übernehmen. Deren Aufgabestellungen reichen von der Messung über die Fehlerortung, Störungskennung, Netzqualitätsanalyse bis hin zur kompletten Fernsteuerung oder gar Automation.

Der Anlagenbetreiber muss bei dieser Aufgabenstellung viele Details und Problemstellungen beachten. Zum Beispiel welche Komponenten wie Gehäuse, Router oder Fernwirkstationen zum Einsatz kommen und wie die Kopplung von Fernwirktechnik und Messtechnik funktionieren kann, damit Messdaten zuverlässig über Feldbusprotokolle ausgetauscht und übertragen werden. Darüber hinaus müssen Kommunikationsstrukturen- und Sicherheitsaspekte zwischen der Fernwirktechnik und dem Leitsystem berücksichtigt werden. Im Fehlerfall bedarf es einer einfachen und schnellen Diagnose per Fernzugriff, zum Beispiel über ein Smartphone, Laptop oder über ein Tablet-PC.

Funktionell, skalierbar, kompakt

Der Spezialist für Fernwirktechnik EES, hat mit Herstellern aus den Bereichen Energiemesstechnik und Visualisierungssoftware (Kries-Energietechnik, Janitza, FlowChief) eine Komplettlösung entwickelt, die bereits alle erforderlichen Komponenten verdrahtet und anschlussfertig in einem Gehäuse bietet und somit kosteneffizientes Monitoring von Ortsnetzstationen ermöglicht. Die Komplettlösung GridMonitor bietet zahlreiche Vorteile und berücksichtigt bereits folgende spezifische Rahmenbedingungen:

  • Begrenzter Platz: In kompakten Ortsnetzstationen ist wenig Platz für weitere Überwachungs- und Fernwirksysteme. Der GridMonitor arbeitet ohne zusätzliche Messfelder und ist daher äußerst kompakt.
  • Wirtschaftlichkeit: Kostenorientierte Lösung mit einfacher Inbetriebnahme (Plug-and-Play), besonders hinsichtlich TCO.
  • Skalierbarkeit: Die Skalierbarkeit ermöglicht einen wirtschaftlichen Einstieg sowie eine einfache System-Erweiterung.
  • Funktionalität: Der GridMonitor enthält alle Funktionen und Komponenten, die zur Überwachung und Steuerung einer Ortsnetzstation erforderlich sind.

Resümee

Durch den GridMonitor ergeben sich für den Verteilernetzbetreiber eine Vielzahl an Vorteilen, die in der Summe eine Steigerung der Verfügbarkeit und eine Reduktion der Ausfallzeiten ermöglicht. Darüber hinaus wird sowohl eine enorme Zeitersparnis beim Engineering erreicht als auch eine einfache Integration in bestehende Systeme und Strukturen ist über das standardisierte IEC-60870-5-104 Protokoll gegeben.

Sascha Hahn, Geschäftsleitung, Elekrta Elektronik GmbH & Co. Störcontroller KG, Backnang