Automation Blue 2/2020

Fachbericht

Softwareplattform zur Digitalisierung des Kanalnetzbetriebs

Ganz gleich, wie hoch der Digitalisierungsgrad in der Wasserwirtschaft eingeschätzt wird, am Ende muss doch das Wasser physisch zum Verbraucher gebracht werden und von dort durch das Kanalnetz zur Kläranlage. Trotzdem kann digitale Technik hier einen echten Mehrwert bieten und das Kanalmanagement vereinfachen und effizienter machen. Die Entwässerungsbetriebe der Stadt Ulm (EBU) setzen bei der Digitalisierung ihres Kanalnetzes auf Lösungen von FlowChief.

Maximal flexibel und wirtschaftlich, gleichzeitig herstelleroffen und sicher: Prozesse sind in der Wasser- und Abwasserwirtschaft immer mehr vernetzt und die Anforderungen wachsen weiter. Das gilt auch für das Kanalnetz in Ulm. Als Eigenbetrieb der Stadt planen, bauen und betreiben die EBU zur Abwasserbeseitigung in ihrem 3.026 ha großen Einzugsgebiet ein Netz mit über 600 km Kanal und an die 100 Sonderbauwerken – darunter 16 Pumpwerke und 8 Messschächte sowie 48 Regenüberlaufbecken (RÜB), 24 Regenrückhaltebecken (RRB) und 10 Regenklärbecken (RKB) mit einem Gesamtspeichervolumen von 94.000 m 3 . Das Kanalnetz, bei dem es sich überwiegend um ein Mischwassersystem handelt, führt Schmutzwassermengen von bis zu 150.000 m 3 pro Tag der Zentralkläranlage Steinhäulezu. Nach der Reinigung wird das geklärte Abwasser der Donau zugeleitet.

Offen – sicher – einfach: Die Ansprüche an moderne Prozessleittechnik

Im Jahr 2014 standen die EBU vor der Herausforderung, das in die Jahre gekommene Prozessleitsystem zu erneuern und die gesamte Anlage fit für die Zukunft zu machen. Das alte System war zu störanfällig und kompliziert geworden, die Hardware vor Ort technisch insgesamt nicht mehr zeitgemäß. Die Anforderungen an das neue System wurden von Kanal- und Kläranlagenbetreibern gemeinsam erarbeitet und festgelegt. Das Ziel war ein herstelleroffenes System, das die Einbindung verschiedener Messtechnik und Steuerungslösungen ermöglicht und durch seinen technologischen Aufbau auch in Zukunft dem rasant steigenden Digitalisierungsanspruch standhält. Das System sollte möglichst alle Funktionen für zentrale Leittechnik in einer Software abbilden – von der Überwachung und Steuerung bis hin zur Berichterstellung und Betriebsführung der Anlagen.

Georg Scholz und Markus Mezger bei der gemeinsamen Analyse eines
Einstauereignisses